Die Größe des Königs

Wenn wir von einem Königreich sprechen, dann müssen wir uns zuerst ein Bild vom König machen. Dabei hilft uns Paulus durch den Kolosserbrief.

Der Grund für das Schreiben nach Kolossä ist ganz einfach. Es hatte sich eine Irrlehre in der Gemeinde eingeschlichen, wonach man auch „neben“ und „außerhalb“ von Jesus nach Weisheit und Offenbarung suchen muss, wenn man Gott ganz erfahren will. Damit räumt Paulus im Kolosserhymnus auf. Er schreibt:

Vers 15:               Er (Jesus) ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene (vor) aller Schöpfung.

Willst du wissen, wie Gott ist? Dann schaue auf Jesus. Er offenbart, wie der unsichtbare Gott denkt und handelt und im tiefsten Wesen IST. Jesus ist die vollkommene Offenbarung des Wesens Gottes. An keinem anderen Ort, in keiner anderen Religion, in keiner Philosophie findet man die Wahrheit über Gott so, wie man sie in Jesus findet. Dass Jesus das Ebenbild Gottes ist, meint die Gleichheit von Vater und Sohn. (Wer mich sieht, sieht den Vater Joh 14,9) Jesus ist die Fleischwerdung, die Manifestation Gottes auf Erden. Jesus ist der Maßstab unserer Theologie und unseres Gottesbildes. Wenn wir aus der Bibel oder aus unserem Leben oder der Natur einen Gott herauslesen wollen, der nicht dem Gott entspricht, den Jesus uns gezeigt hat – dann liegen wir zwangsläufig falsch. Wir müssen ALLES IMMER im Lichte Jesu lesen. Sonst wird unser Bild vom Vater schräg.

Jesus ist der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Er war schon IMMER mit Gott, dem Vater, bei Gott, in Gott. Untrennbar. Da passt kein Blatt dazwischen. (Ich und der Vater sind eins, Joh 10,30) Der Sohn ist nicht Teil der Schöpfung. ER steht über der Schöpfung. Der Erstgeborene meint (im antiken Verständnis) immer auch: Er hat Sonderrechte. Er ist der Haupterbe. Er trägt aber auch die Hauptverantwortung. Jesus ist Herr über die Schöpfung. Er ist der wahre König!

Vers 16: Denn in Ihm wurde erschaffen das Allsamt:      

                In den Himmeln und auf der Erde,

                das Sichtbare und das Unsichtbare.

                Ob Throne, ob Herrschaften,

                ob Mächte, ob Gewalten:

                Das Allsamt ist durch Ihn und auf Ihn hin erschaffen.

IN Ihm, DURCH Ihn, auf Ihn hin. Gewaltig! Der Vater ist die Ursache der Schöpfung, aber Er hat sie nicht für sich selbst gemacht, sondern für den Sohn. Im Sohn, in Ihm, ist die Schöpfung: Er umfasst alles. Durch Ihn wurde sie gemacht: Er ist das Mittel. Auf Ihn hin, das heißt: Für Ihn. Ihm gehört sie!

Vers 17: Und Er ist vor allen

                und das Allsamt ist in Ihm zusammengehalten.

Paulus betont es nochmal: Er ist vor allem! Das hat zwei Dimensionen. Die Zeitliche: Er war schon vor der Schöpfung. Es heißt aber auch: Er steht über allem! Er hält alles zusammen. Bildlich gesprochen: Die Hände, die durchbohrt wurden, halten das sichtbare und unsichtbare Universum zusammen!

Vers 18: Und Er ist das Haupt des Leibes: der Gemeinde.

                Er ist der Uranfang, der Erstgeborene aus den Toten,

                auf dass unter allen Er der Erste würde.

Das muss man sich vorstellen. Er, der das ganze Universum in Händen hält, Er wirkt in der Welt von innen heraus durch Seinen Leib, die Gemeinde. Von außen haltend, von innen wirkend und sich ausbreitend. Es ist eine Selbstüberschätzung, wenn sich ein Mensch zum (Ober-)Haupt der Gemeinde macht. Kein Kirchenvorstand darf das von sich behaupten. Keine Geistlichkeit. Kein Pfarrer. Jesus ist das Haupt der Gemeinde – wir sind die Glieder. Er ist der Kopf und wir sind die Augen, Hände, Füße; der Mund. Durch uns (aber nicht nur durch uns) wirkt Er heute! Der Kopf sagt dem Fuß, wohin der Weg geht. Der Kopf befiehlt der Hand, wann sie zupackt und wann sie loslässt. Der Kopf sagt dem Auge, wohin es sich wenden soll. Niemand sonst!

Er ist der Uranfang, der Erstgeborene vor aller Schöpfung UND Er ist der Erstgeborene aus den Toten! Er ist nicht nur auferweckt worden wie Lazarus, um dann wieder zu sterben. Er ist auferstanden, um nie wieder zu sterben. Er hat einen menschlichen Leib angenommen (33 Jahre lang), war in Seiner Lebenszeit auf Erden schwach und verwundbar. Er wurde gefoltert, verlacht, verspottet und ermordet am Kreuz. Aber Gott, der Vater, hat Ihn „neu geboren“. Und deshalb ist Er der Erste aus den Toten. Er geht allen voran, die neu geboren werden – durch das Wirken des Heiligen Geistes und in der Taufe. ER ist aber auch der Herr über alle, die sich Ihm anschließen. Wenn auch du wiedergeboren wurdest, dann gehörst du Ihm. Das ist etwas, das wir uns viel zu selten bewusst machen. Wir sagen vielleicht: „Er ist mein Gott.“ Aber wie oft sagen wir: „Ich bin Sein“? „Ich gehöre Ihm“? Er hat mich teuer erkauft – mit Seinem eigenen Blut. Ich bin jetzt Sein. Er mache mit mir, was Er wolle – denn ich bin Sein Eigentum. Meine Zeit – sie gehört Ihm. Mein Geld – es gehört Ihm. Mein Besitz – es gehört Ihm. Er mache damit, was Er wolle. Meine Seele, mein Körper, mein Geist, meine Vergangenheit, meine Gegenwart, meine Zukunft…..

Vers 19: Denn es hat der Fülle Gottes gefallen,

                in Ihm zu wohnen…

Die ganze Fülle Gottes ist in Jesus sichtbar geworden. Alle Aspekte Gottes wurden in Ihm offenbart. Wir müssen nicht außerhalb von Jesus nach Wesenszügen Gottes suchen – wir finden alles, was wir über Gott wissen können, in Ihm. Das ist großartig! Der Begriff „wohnen“ (katoikerai) bedeutet im Griechischen: für immer bleiben. Es ist also nicht so, dass Gott der Vater dem Sohn die Fülle nur für bestimmte Zeit gab und sie Ihm dann wieder wegnahm. Nein, die Fülle bleibt für immer! Der Vater und der Sohn sind eins, untrennbar und doch unvermischt – für alle Zeiten.

Vers 20: und durch Ihn zu versöhnen das Allsamt  – auf Ihn hin,

                indem Er Frieden schaffte durch das Blut des Kreuzes:

                sei es dem, was auf der Erde,

                sei es dem, was in den Himmeln – durch Ihn.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einzigen Sohn gab…  Die Welt! Nicht nur die Menschheit! Die ganze Welt, die ganze sichtbare und unsichtbare Schöpfung. Die Engel und die Menschen, die Tiere und die Natur… Für das alles ist Jesus gestorben. Gott lässt Seine Schöpfung nicht vor die Hunde gehen. Er liebt die Schöpfung. Wir sollten also überlegen, wie wir mit dem, was Gott liebt, umgehen. Wir können nicht einfach alles kaputt machen. Gott will die ganze Welt retten und erneuern. Das sollte unseren Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt bestimmen.

Paulus macht mit dem Hymnus klar: Eine Erlösung auf einem anderen Wege, an Jesus vorbei, ist nicht vorstellbar. Es wäre auch absurd, so zu denken. Denn: Wenn es einen anderen Weg zu Gott in die Ewigkeit gäbe, wenn der Mensch von sich aus den Graben überwinden könnte, dann wäre Gott ein brutaler Vater – dann hätte Er Seinem Sohn das Kreuz auch ersparen können. Der Vater lässt doch nicht den Sohn auf die erbärmlichste Art und Weise von Menschen dahin schlachten, wenn es auch eine andere Möglichkeit gäbe. Also: Es gibt keinen Weg an Jesus vorbei. Er ist allein der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Der Sohn Gottes war ca. 33 Jahre lange ganz Mensch, ganz schwach, ganz sterblich – und doch erfüllt mit der Fülle Gottes durch den Heiligen Geist. Er lernte auf diese Art und Weise, was es heißt, ganz Mensch zu sein. Und Er lernte Gehorsam. (Hebr 5,7)

Davor und danach, in jener himmlischen, göttlichen Dimension, die außerhalb der Zeit liegt, war Er immer und wird Er immer sein: der Grund der Schöpfung, der Erhalter des Universums und der Erlöser der sichtbaren und unsichtbaren Welt.

Und jetzt kommt der Clou: In Vers 13 schreibt Paulus: Er hat uns der Vollmacht der Finsternis entrissen und versetzt in das Königtum des Sohnes Seiner Liebe. Wir stehen unter Seiner Herrschaft, im Licht, in der Freiheit, unter der Gnade. Wir gehören ganz Ihm! Und Ihm allein! Und Er lebt in uns! Christus in uns – die Hoffnung der Herrlichkeit!

Ihm allein dienen wir!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s