Der Krieg um das Land

Bis jetzt habe ich das Königreich Gottes nicht definiert. Vielleicht fragst du dich deshalb: Was ist es denn nun, dieses Königreich?

Der Grund, wieso ich keine Definition gegeben habe, ist ganz simpel: Man kann das Reich Gottes nicht definieren. Man kann nur Geschichten darüber erzählen, es ein wenig begreifbar machen, es spürbar werden lassen. Selbst Jesus hat es nicht definiert, sondern mit der Fantasie Seiner Zuhörer gespielt, in dem Er Gleichnisse erzählte.

Um ein wenig hinter die Kulissen des Königreiches zu blicken, müssen wir aber zuerst einen Abstecher in die Zeit vor Jesu Geburt machen. Das Alte Testament erzählt uns nämlich einiges, das wir wissen müssen, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Es gibt einen roten Faden durch die Bibel, dem wir folgen dürfen.

Die Geschichte beginnt vor der Zeit, als Gott die himmlischen Sphären schafft und sie mit Engeln und himmlischen Mächten bevölkert. Die Engel leben in Gottes Nähe und dienen Ihm (Lk 1,19; Mt 18,10; Offb 8,2). Gott regiert die Himmel. Er ist ihr König.

Eines der Himmelswesen lehnt sich gegen Gottes Herrschaft auf und wird von Gottes Gegenwart ausgeschlossen.

Dieses Wesen hat heute verschiedene Namen: Luzifer, Satan, Teufel… Er ist der Lügner, der Mörder, der Ankläger, der Stifter von Spaltung und Verwirrung, der Dieb, der Feind, der Fürst der Dämonen, der Gott dieser Welt…

Später schafft Gott die Erde und gibt dem Menschen die unfassbare Würde, an Seiner Stelle über die sichtbare Schöpfung zu regieren. Der Mensch lebt in Gottes Gegenwart und im Einklang mit Gott, mit dem Mitmenschen, mit sich selbst und der Natur. Aus Eden heraus soll sich die Menschheit über die ganze Welt ausbreiten und alles in Besitz nehmen.

Leider versagt der Mensch dabei. Er wendet sich von Gott ab und wird deshalb aus Eden verbannt.

Damit beginnt die Herrschaft des Teufels über die Welt. Der Mensch hat die Regentschaft an den Feind übergeben. Anstatt Gott gehorsam zu sein, hat sich der Mensch einen neuen Gott erkoren, dem er fortan dient.

Es ist eine Illusion, wenn der Mensch meint, er könne sein eigener König sein. In Wahrheit dient er immer einer größeren Macht; entweder Gott oder dem Feind.

Gott aber gibt die Welt nicht auf. Er erwählt sich Abraham, um Seinen ursprünglichen Plan in die Tat umzusetzen. Die Nachkommen Abrahams sollen zum Segen für alle Nationen werden. Statt von Eden aus sollen sie von Kanaan aus eine neue Epoche einläuten. Eden ist der Ort, wo Himmel und Erde sich berührten. Kanaan ist das neue Eden, von wo aus sich der Himmel über die Erde ergießen soll. (Kanaan und Eden wurden schon im Alten Testament oft miteinander in Verbindung gebracht (Gen 13,10; JEs 51,3; Hes 36,35; Joel 2,3)).

Eden und Kanaan sind Symbole der Gegenwart und Regentschaft Gottes. Von Kanaan aus wollte sich Gott die Welt zurückholen. Israel sollte zeigen, wie es aussieht, wenn Gott regiert. Doch Israel versagte; leider. Es lehnte sich gegen Gott auf.

Es ist augenöffnend: Immer, wenn Israel im Land Kanaan lebt, wird Gott „der Gott von Himmel und Erde“ genannt. Aber in der Zeit des Exils, als Israel außerhalb von Kanaan sein Dasein fristet, heißt Gott nur noch „der Gott des Himmels“.

Offenbar hat sich Gott dieses Land Kanaan gezielt ausgesucht. Hier sollte die Pforte sein, durch die der Himmel in die Welt hereinbrach. Kanaan ist deshalb „heiliges Land“, weil sich hier Gottes Brückenkopf zwischen Himmel und Erde befindet.

Immer, wenn sich gottesfürchtige Menschen in Gottes Land befanden, wenn sie in Seiner Gegenwart und unter Seiner Regentschaft lebten, war das ein Ausdruck dafür, dass Gott sich die Welt zurückholt.

Deshalb herrschte im ganzen Alten Testament ein Krieg um dieses Land. Deshalb war es so wichtig. Denn dieses Land repräsentierte das Königreich Gottes.

Israel war berufen, in diesem Königreich und unter diesem König zu leben. Es sollte das Licht der Welt sein (Jes 49,6). Alle Nationen sollten durch Israel Segen empfangen. Die Völker sollten lernen, wie ein Leben im Königreich aussieht. Im Königreich Gottes gab es keine Zinsen (Dtn 23,19). Es wurden für die Armen, Schwachen, Kranken, Witwen und Waisen gesorgt (Lev 19,23; Dtn 14; 26,12…). In jedem 50sten Jahr sollten alle Schulden getilgt werden. Alle Sklaven wurden freigelassen. Das Land wurde an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben. Die gute Ordnung wurde wiederhergestellt, Ungerechtigkeit wurde ausgetilgt. Jeder bekam eine neue Chance. All das war ein Abbild der Gnade Gottes. All das war den Völkern ringsum fremd und unbekannt.

Israel sollte so leben, dass die Nachbarvölker von sich aus die Frage stellte: „Was ist das für ein Gott, der dieses Volk segnet und regiert? Diese Hebräer verhalten sich komisch, sie leben anders, ihre Bräuche und Sitten ergeben für uns keinen Sinn. Und doch sind sie so reich gesegnet. Wie kann das sein?“

Israel hat diese Aufgabe noch heute. Aber neben Israel haben auch wir den Auftrag so zu leben, dass die Welt sieht, wie es aussieht, wenn Gott regiert! Er ist unser König. Wir sind Sein Volk. Wir sind die Vorboten des Jubeljahres, der Befreiung von Unterdrückung und Diskriminierung.

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