Macht im Königreich

Im Königreich Gottes, dessen Einwohner wir sind, sind alle Menschen gleich wertig und gleich würdig. Es gibt keinen Unterschied nach Geschlecht, Herkunft, Nationalität, Bildung etc.

Galater 3,28:  Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.

Wir sind ein Volk von Heiligen, in denen es keine Hierarchie und keine Überordnung gibt.

Luk 22, 24 -26: Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten sollte. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener.

Erst im vierten Jahrhundert nach Christus kann man davon sprechen, dass sich in der Kirche so etwas wie eine starre Hierarchie bildete. Dies war jedoch kein Ausdruck des Reiches Gottes. Nein. Hier übernahm die Kirche Wesenszüge des Römischen Reiches.

John Nugent veröffentlichte eine Studie zu den Begriffen von Macht und Autorität, die im Neuen Testament verwendet werden. Seine Ergebnisse sind verblüffend.

Wenn von der Kirche (der ekklesia) gesprochen wird, dann werden Begriffe verwendet wie:

  • Älteste: Der Hintergrund ist hier, dass es sich um Personen mit Erfahrung handeln muss.
  • Aufseher: Sie geben Sicherheit.
  • Diakone: Sie dienen.
  • Leiter/Hirten: Sie leiten auf dem richtigen Weg.
  • Lehrer (paidagogos): Sie unterweisen die Gemeinde.

„Macht“ kommt also Menschen in der Kirche nur insofern zu, als sie über Erfahrung verfügen, Sicherheit geben, dienen, leiten und unterweisen. Dies alles soll dem Aufbau der Gemeinde dienlich sein. Keine dieser Personen hat davon einen direkten persönlichen Nutzen oder eine höhere Stellung als andere.

Wenn jedoch „Machtbegriffe“ für das herrschende Weltsystem gebraucht werden, finden wir im Neuen Testament die Begriffe Herren, Mächte, Gewalten, Oberste, Vorsteher, Könige… All diese Worte beinhalten immer auch einen besonderen Status, der Menschen von anderen Menschen abhebt, und besondere Machtwerkzeuge, die dem Erhalt der Macht dienen.

Wenn man Lukas 22,25 wörtlich übersetzt, steht da: „Die Könige herrschen ihre Völker nieder.“

Was ist das doch für Unterschied!!!

In unseren Gemeinden kommt es gelegentlich dennoch vor, dass sich Menschen über andere Menschen erheben. Leider! Das soll natürlich nicht so sein. Älteste und Gemeindeleiter stehen nicht über anderen, sie haben den anderen zu dienen. Petrus schreibt in seinem ersten Brief, Kapitel 5,1: „Die Ältesten unter euch ermahne ich…“

Die Ältesten unter euch bzw. in eurer Mitte oder bei euch…

Jesus warnt uns explizit, keiner soll sich über einen anderen erheben.

Matthäus 23, 8-12: Lasst euch niemals `Rabbi´ nennen. Ihr habt nur einen Meister, und ihr alle seid gleich, wie Brüder und Schwestern. Und bezeichnet niemanden hier auf der Erde als `Vater´, denn nur Gott im Himmel ist euer geistlicher Vater. Lasst euch auch nicht `Lehrer´ nennen, denn es gibt nur einen Lehrer (katägätos; im Gegensatz zu paidagogos), und das ist der Christus. Der Größte unter euch muss den anderen dienen. Diejenigen jedoch, die sich über die anderen stellen, werden gedemütigt werden, und die, die demütig sind, werden erhöht.

Im Königreich Gottes unterordnen wir uns gegenseitig. Ein Ältester hat in meinem Leben deshalb eine gewisse Autorität, weil er mehr Erfahrung mit Gott hat als ich. Das ist wie bei einem Arzt. Dieser hat Autorität, weil er Medizin studiert hat und weil ich ihm vertraue – und nicht, weil er etwas Besseres wäre als ich.

Der Älteste hat jedoch keine Macht über mich; ebenso wenig wie der Arzt. Ich bin ihm zu keinem Gehorsam verpflichtet. Er hat keine Befehlsgewalt über mich.

Wir beide haben das gleiche Oberhaupt, Christus.  Gemeinsam suchen wir den Willen Gottes und ordnen uns einander unter, um den Leib Christi aufzubauen.

Wir dienen einander. Wir bauen uns gegenseitig auf – gemeinsam.

Es gibt in der Kirche keine „top-down“-Macht. Wo sich Menschen Macht in der Kirche aneignen, handeln sie gegen den Willen und die Botschaft Jesu.

Es gibt in der Kirche auch keine blossen Konsumenten. Jeder trägt etwas zum Ganzen bei. Wenn sich die neutestamentliche Gemeinde traf, dann brachte jede und jeder etwas mit – eine Prophetie, einen Psalm, ein Lied…

Es wurde kein Gottesdienst abgehalten, in dem auf der Bühne ein Prediger mit Unterstützung einer Band eine Show abzog. Alle waren gefordert, auf den Heiligen Geist in sich zu hören, und das, was sie hörten, mit der Gemeinde zu teilen.

Gott will der König in Seinem Königreich sein. Er ist nicht damit einverstanden, Seine Oberhoheit mit einem Menschen zu teilen. Dies hätten wir aus der Geschichte Israels lernen können. Nach dem Auszug aus Ägypten lebte Israel 200 bis 300 Jahre eine „heilige Anarchie“. Es gab kein einzelnes Oberhaupt und keinen König. Gott regierte. Immer mal wieder setzte Er Richter ein, die für bestimmte Momente und Aufgaben zugerüstet wurden. Aber niemals fokussierte sich die Macht auf eine Einzelperson oder eine Institution.

Doch Israel wollte sein „wie alle Nationen“. Das Volk wollte einen König. Und es bekam einen König und dann noch einen König und wieder einen König.

Als Jesus kam, sagte Er, bei uns solle es anders sein. Wir sollen wieder ganz auf Gott vertrauen und Ihn regieren lassen über uns.

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