Macht in der jungen Kirche

EKG1

Nachdem ich in vorhergehenden Blogs sagte, dass es in der Kirche kein Machtgefälle gibt und geben darf, stellt sich eine Frage: Wie ist das mit den „Ältesten“? Haben sie nicht eine gewisse Macht und Befugnis, die „normale“ Kirchengliedern fehlt?

Um diese Frage zu klären, werden wir mehr als nur einen Artikel brauchen. Zuerst wollen wir die heutige Durchschnittsgemeinde mit der jungen Gemeinde zur Zeit des Neuen Testamentes vergleichen. Und dann wollen wir die Rolle der Ältesten betrachten.

Ich möchte mit diesem Vergleich keineswegs irgendeine Form von Gemeinde schlecht machen oder abwerten. Mir liegt nur am Herzen, dass wir uns bewusst werden, wie unterschiedlich die Umstände sind, in denen wir als Leib Christi leben.

Nach meiner Beobachtung sind die Ältesten einer Gemeinde heute (wir können sie auch Vorstand oder Gemeindeleitung nennen) vielfach mit folgenden Aufgaben beschäftigt:

  • Programme
  • Ressorts (Jugendarbeit, Diakonische Programme, Evangelisation…)
  • Erhaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden und Liegenschaften
  • Finanzen

Oft befinden sich unter den Ältesten Menschen, die mitten im Leben stehen, die Leitungsverantwortung in Betrieben und Firmen haben, und die einen guten Leumund vorweisen können. Im schlimmsten Falle ist unter den Ältesten jemand, der die Gemeinde finanziell trägt und der schon aufgrund dieser Tatsache für die Gemeinde unersetzbar ist.

Die Ältesten sind oft diejenige Instanz, die Entscheidungen für die Gemeinde trifft. Sie hat mitunter das letzte Wort. Sie ist verantwortlich und wird verantwortlich gemacht. Wenn jemand eine Idee hat, die er/sie in der Gemeinde umgesetzt sehen möchte, wird die Ältestenschaft damit betraut. Sie hat das letzte Wort.

Dies ist natürlich nicht immer so, aber im Großteil der Gemeinden funktioniert es m.M.n. so. Die Gemeindeglieder verlassen sich darauf, dass die Ältesten vorangehen, Entscheidungen treffen und Projekte umsetzen oder sterben lassen. Damit delegiert die Gemeinde die eigene Verantwortung an ein Gremium ab. Ob die Ältestenschaft das will oder nicht: Sie wird systematisch mit Macht ausgestattet und steht irgendwie vor oder über der Gemeinde.

Ich will jetzt nicht beurteilen, ob dies gut oder schlecht ist. Dies ist einfach eine Bestandsaufnahme, die uns zeigen wird, wie anders die frühe Kirche lebte. Ich plädiere nicht dafür, zur Urkirche zurückzukehren. Dies ist nämlich nicht möglich. Wir leben in einer anderen Welt und Zeit als die ersten Christen. Vielleicht können wir aber doch einiges von unseren Vorgängern lernen.

Die Situation der frühen Kirche war so:

  • Man besaß kein gemeinsames Kirchengebäude. Man traf sich zu Hause bei den Glaubensgeschwistern.
  • Die Gruppen dürften zwischen 10 und 20 Menschen groß gewesen sein. Im Korintherbrief lässt sich erahnen, dass die Gemeinde etwas größer war, vielleicht mit 30 Personen.
  • Stühle gab es damals noch nicht in der Form, wie wir sie heute kennen. Man saß oder lag am Boden.
  • Die Menschen bildeten einen Kreis. Jeder konnte jedem in die Augen schauen.
  • Männer, Frauen und Kinder waren beisammen. Es gab keine Trennung.
  • Der Mittelpunkt des Treffens war das gemeinsame Essen.

Die Situation heute:

  • Die meisten Gemeinden verfügen über ein gemeinsames Gebäude, das finanziert und verwaltet werden muss.
  • Die Treffen finden in speziellen Räumen statt.
  • Man sitzt nicht im Kreis, sondern hat Sitzreihen, die nach vorne ausgerichtet sind.
  • Im vorderen Bereich befindet sich ein Podium. Von hier aus wird gepredigt, gebetet und gesungen. Oftmals sind die Podien auch noch höher als die Sitzreihen, damit eine gute Sicht auf die Redner gewährleistet wird. Wer auf diesem Podium steht, besitzt eine gewisse Autorität. Nicht jeder darf nach vorne treten.
  • Das wöchentliche Treffen dreht sich um eine Predigt oder um den Lobpreis.

Wir sehen also, dass die Zusammenkünfte sehr verschieden sind. Die ersten Christen hatten keine Sitzreihen, kein Podium, kein bezahltes Personal, keine Budgets und keine Programme. Sie trafen sich zum Essen und teilten ihr Leben mit einander. Alle befanden sich auf gleicher Höhe und hatte den selben Anteil am Treffen.

Viele Fragen, die wir heute zu bewältigen haben, waren für sie nicht relevant. Sie stellten sich einfach nicht.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema Geld. Im Neuen Testament finden wir keine Gemeinde, die für Bauvorhaben oder zum Erhalt oder zum Start eines Projektes Geld sammeln musste. Im Gegenteil: Geld wurde nur zum Zweck gesammelt, die hungrigen Christen in Jerusalem zu versorgen und um die Reisen der Apostel zu bezahlen – die Philipper zeigten sich beispielsweise als sehr großzügig in der Unterstützung von Paulus.

Die Gemeinde musste damals mehr zusammenhalten als heute. Sie stand unter einem anderen Druck als wir heute. Viele Menschen lebten von kleineren Erwerbstätigkeiten, von Erzeugung und Handel. Nun waren die Christen aber in der Gesellschaft verschrien. Sie nahmen nicht an den üblichen Veranstaltungen in der Stadt oder dem Dorf teil. Sie gingen nicht in die Tempel. Sie feierten nicht mit der übrigen Bevölkerung die religiösen und politischen Feste. Deshalb galten sie schnell als „unpatriotisch“, als Staatsfeinde. Sie waren isoliert. Dadurch verloren viele von ihnen Aufträge und Kunden.

Umso wichtiger war es, dass sie sich gegenseitig aushalfen und unterstützten, dass sie das, was sie hatten, täglich teilten.

Heute ist das anders. Viele Christen sind gut in die Gesellschaft integriert. An Geld mangelt es vielen nicht.

Wie gesagt: Die Welt hat sich sehr gewandelt und wir können nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir können nicht zurück zur Urgemeinde, aber wir können dennoch von ihr lernen. Dazu im nächsten Blog mehr…

 

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