Macht in der jungen Kirche III

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Wenn wir das Neue Testament gründlich studieren, kommen wir zu einem grandiosen und augenöffnenden Ergebnis. Es werden nämlich im Zusammenhang mit Machtverhältnissen und Autoritätsgebilden in der Welt ganz bestimmte Worte verwendet.

ἀρχή: archä – Erster, Vorderster, Vorsteher, Kopf…

ἐξουσίαs – Mächtiger, Bevollmächtigter…

πρώτος – Erster…

δυναμεις – Kraftvoller, Mächtiger…

αρχιερέus – Priester….

All diese Begriffe kommen im Neuen Testament wie selbstverständlich vor, aber NIEMALS im Zusammenhang mit der Gemeinde. Keines dieser Worte, die in der Welt von so großer Bedeutung sind, lässt sich auf die Kirche anwenden.

Ja, in der Welt mögen Menschen Macht und Autorität über andere Menschen haben, nicht aber so in der Gemeinde. Hier sind alle gleichrangig. Jesus macht das an mehreren Stellen deutlich; ebenso Paulus.

Ja, in der Synagoge mag es einen „archä synagogä“ geben, aber es gibt keinen „archä ekklesiä“. In der Politik mag es einen Ersten, Vordersten, Mächtigsten geben, nicht aber so in der Kirche.

Jesus geht sogar so weit, dass er im Zusammenhang mit der Gemeinde und Seinen Jüngern ganz auf die Vatersprache verzichtet. So sagt Er: «Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?» Mk 3,33 Der Vater fehlt…

Er macht dies, so vermute ich, aus zwei Gründen. Erstens: Wir haben nur einen Vater – den, im Himmel! Zweitens: Der Vater war in der damaligen Zeit eine Autoritätsperson, der man gehorsam schuldete. Ein Vater hatte eine Machtposition in der Familie inne, eine Position über allen anderen. Deshalb sollte sich in der Kirche auch niemand Vater nennen lassen (Mt 23,9).

Paulus erwähnt nur einmal, im Zusammenhang mit Philemon, dass er dessen Vater im Glauben sei. Dies tut er aber nur, um zu sagen, dass er als Apostel eine gewisse Autorität beanspruchen könnte. Er folgt aber sogleich damit, dass er sagt, er verzichte auf diese Autorität. Er gibt Philemon die Verantwortung für sein Handeln zurück und überlässt ihm die Entscheidung in einer strittigen Sache. Paulus verzichtet bewusst auf jene Art von Autorität, die jemand anderem etwas gegen dessen Willen aufdrängen könnte. Er will kein neues Gesetz formulieren, sondern die Gnade postulieren, die einen dazu befreit, die richtigen Entscheidungen aus dem Herzen heraus zu treffen.

In Mt 20,25 steht: Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Vollmacht über sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

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