Zu den Anfängen und Prinzipien, Teil 3

Alles war gut. Alles hatte seine Ordnung. Ein Leben in Fülle und Freude unter Gottes liebevollen Augen war möglich. Doch dann taucht die Schlange auf. Unangekündigt betritt sie die Bühne.

Es wird viel spekuliert, wer denn die Schlange sei. Für viele ist sie der Satan personifiziert. Doch hierfür gibt uns der Text keinen Anhaltspunkt. Im Gegenteil: Zwei Mal betont der Text, dass die Schlange ein Tier ist – Bei ihrem Auftritt heißt es: „Und die Schlange war klüger als alle Tiere des Feldes… Gen 3,1“.

Und als Gott sie verflucht heißt es: „Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen dein Leben lang.“ (Gen 3,14)

Es gibt also, so meine ich, zwei Möglichkeiten. Und für beide Möglichkeiten gibt es gute Gründe. Erstens: Die Schlange ist ein „Agent“ des Satans. Da sich dieser nicht selbst ins Paradies begeben konnte (als Ankläger hatte er dort keinen Zutritt, wo es keine Sünde gab), schickte er einen Vertreter in Form der Schlange.

Zweitens: Die Schlange ist genau das, was der Text sagt: eine Schlange! Ein Tier, und nicht mehr. Das Problem hierbei: Wie ist es möglich, dass eine Schlange sprechen kann? Eine interessante Antwort auf diese Frage lautet: Die Schlange hat selbst einst vom Baum der Erkenntnis gegessen und deshalb war sie das klügste Tier und konnte sprechen. Woher sonst hätte sie auch wissen können, dass man vom Baum essen konnte und dennoch nicht sofort sterben musste.

Wie auch immer. Der Text selbst gibt uns keine klare Antwort. Und ich glaube, dass dies einen guten Grund hat. Wir sollen uns nicht allzu sehr mit dem Bösen und den Wurzeln des Übels beschäftigen. So wie sich die Bibel über die Ursprünge des personifizierten Bösen weitestgehend bedeckt hält, so will sie uns auch hier nicht mehr Informationen geben, als unbedingt nötig sind.

Am Ende gibt die Bibel dem Bösen niemals so viel Bühnenlicht, dass wir uns von ihm fesseln lassen. Ihr geht es um Gott – und die Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Jedenfalls kommt die Schlange ins Spiel und spricht die Frau an. Diese wirkt keineswegs erstaunt, dass die Schlange überhaupt sprechen kann. Für sie scheint es selbstverständlich zu sein.

Die Schlange sät einen kleinen Zweifel ins Herz der Ur-Ahnin (Hat Gott wirklich gesagt…?), sodass sie am Ende in die Frucht beißt (und nein: es ist kein Apfel!). Daraufhin gibt sie ihrem Mann, der offenbar bei ihr war, und auch er isst.

Und sofort erkennen sie, dass sie etwas Falsches getan haben, dass sie schuldig geworden sind und dass sie nackt sind. Die Scham erscheint auf der Bildfläche.

Es ist fast wie bei Kleinkindern. Diese schämen sich ihrer Nacktheit nicht, aber irgendwann im Älterwerden gehen ihnen die Augen auf und sie erkennen ihre Blöße. Fortan gehen sie nicht mehr ungezwungen mit ihrem Körper um. Sie sind nackt und wissen es – und schämen sich dafür; also für sich selbst!

Als Gott in den Garten kommt (offenbar war der Garten nicht Seine Dauerresidenz), verstecken sich die Menschen. Sie haben Angst.

Gott findet Seine Menschen und stellt sie zur Rede, woraufhin sie sich der Verantwortung verweigern. Adam schiebt die Schuld auf Eva. Eva schiebt die Schuld auf die Schlange. Beide schieben implizit Gott die Schuld zu.

Die Schlange wird nicht nach ihrem Motiv oder ihrer Handlung gefragt. Diese Wertschätzung Gottes erhält sie nicht. Was auch immer sie bewogen hat, sie erhält keine Gelegenheit zur Rechtfertigung. Vielleicht liegt das daran, dass Gott nur den Menschen Verantwortung für ihr Handeln auferlegt hat, aber nicht den Tieren.

Im Folgenden verdeutlicht Gott, was die Sünde nun nach sich zieht. Wir können hier zwei Dinge unterscheiden: Erstens Flüche und zweitens Konsequenzen der Zielverfehlung der Menschheit. Und beide Arten zeigen, dass Tat und Folge eng verwandt sind.

Gehen wir sie gemeinsam durch. Zuerst spricht Gott zur Schlange und verflucht sie. Sie würde in Zukunft auf ihrem Bauch kriechen und Staub fressen. Und es würde für alle Zeiten eine Feindschaft zwischen ihr und dem Menschen geben.

Nie wieder würden Tiere und Menschen gemeinsam gegen Gott rebellieren. Fortan wäre eine Kooperation der beiden unmöglich. Wenn es das Ziel der Schlange war, sich mit dem Menschen gleichzusetzen und zu verbünden, so war dieser Plan gescheitert.

Dann wendet Gott sich der Frau zu. „Ich werde sehr vermehren die Beschwerden deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen wirst du deine Kinder gebären. Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen.“

Das ist eine Konsequenz und kein Fluch. Gott hatte zwei Bäume in den Garten gestellt – einen Baum, der Leben bringt, und einen Baum, der den Tod bringt. Eva hat sich für den Tod entschieden – oder mindestens für das Risiko zu sterben, als sie vom Baum ass. Sie hatte das Leben geringgeschätzt. Als Folge davon würde sie lernen, wie wertvoll das Leben ist. Wenn sie erst Mal neun Monate ein Kind in sich trägt und es dann unter Schmerzen gebiert, wird sie erkennen, wie kostbar ein solches Leben ist.

Übrigens: Eine Schwangerschaft wäre wohl auch im Paradies nicht einfach lockerflockig gewesen. Gott sagt nämlich, dass Er die Beschwerden vermehrt – und nicht, dass Er jetzt erst Beschwerden erfindet. Beschwerden waren schon im Paradies Teil, wenn man Leben hervorbringen will.

Nun hätte Eva ja sagen können, dass sie dann halt überhaupt keine Kinder bekommt. Wieso sollte sie Schmerzen und den Tod riskieren, um Kinder zu kriegen?

Deshalb ist die zweite Konsequenz, die Gott erwähnt, dass sie nach ihrem Mann verlangen wird. Sie wird in sich so einen tiefen Drang nach Kindern haben, dass sie das Risiko einer Schwangerschaft eingehen wird. Sie wird ihr Leben aufs Spiel setzen, um neues Leben zu gebären.

Und zu guter Letzt wird der Mann über die Frau herrschen. Statt Gleichberechtigung wird es ein ungesundes Machtgefälle geben. Der Mann wird über der Frau sein. Erst in der Urgemeinde wird sich das wieder ändern. Erst in der Gemeinde sind Mann und Frau wieder gleich. Erst bei Jesus und Seinen Jüngern werden die Geschlechter wirklich versöhnt und auf eine gemeinsame Ebene gestellt.

Nach Eva wendet sich Gott an den Mann. Und hier überrascht Er uns bei genauem Lesen. Die Schlange wurde körperlich verflucht und verlor ihre Beine. Sie sollte Staub fressen. Die Konsequenz für die Frau war auch körperlich und mit Schmerzen verbunden. Aber der Mann wird körperlich nicht angetastet. Gott verflucht stattdessen den Erdboden. Das tägliche Leben, die Arbeit und die Ernährung wird mühsam, hart und schweißtreibend sein. Die Leichtigkeit und die Fülle des Paradieses sind passé.

So wird der Mensch in die Welt hinausgeschickt. Die Rückkehr in den Garten ist unmöglich. Doch bevor dies geschieht, wird noch das erste Mal Blut vergossen – und zwar von Gott persönlich. Er macht den Menschen noch zwei Röcke aus Tierfell. Er will sie nicht ganz nackt oder nur mit Feigenblättern gehen lassen. Auch wenn sie Ihn verraten haben, so liebt Er sie doch noch irgendwie und beschenkt sie.

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