Berühmtheit oder Größe?

Jesus sagte in Mt 11, 11 dass der Kleinste im Königreich Gottes größer sei als Johannes der Täufer. Johannes wiederum sei der Größte, der jemals von einer Frau geboren wurde.

Diese Aussage entspricht in keinster Weise unserem heute gängigen Weltbild. In unserer Zeit zählt der am Meisten, der am Bekanntesten und Berühmtesten ist. Bei vielen dreht sich der Tag nur noch um Stars und Sternchen, denen man in den asozialen Medien tagein-tagaus folgt.

Wir ziehen eine ganze Generation heran, die sich mehr um die eigene Inszenierung dreht als um die inneren Werte und die Moral. Ein geschöntes, hochpoliertes Selfie zählt mehr als die Realität in den Herzen der Menschen.

Erlaubt ist heute, was berühmt macht – seien es positive oder negative Schlagzeilen.

Bekanntheit ist zu einem Selbstzweck geworden.

Früher wurde man bekannt und vielleicht sogar berühmt, weil man ein Ziel erreicht hat (einen Sieg im Sport, eine Karriere in der Politik, …). Bekanntheit war (meistens) die Folge einer Anstrengung (außer man wurde in eine royale Familie geboren), während Bekanntheit heute das Ziel ist, das man mit fast allen Mitteln und mit größter Anstrengung erreichen will.

Johannes der Täufer hatte viel erreicht. Er war landauf, landab bekannt für seine Predigt, für seinen Ruf zur Umkehr, für seine harte Kritik an den korrupten Eliten des Landes und an der Bevölkerung, die sich an den Eliten ein Vorbild nahm. Er war bekannt für sein extravagantes Auftreten und Aussehen, das seine Mission unterstrich. Zu Tausenden strömten die Leute, um ihn zu hören und zu sehen. Er war eine wahre Berühmtheit.

Aber er bildete sich darauf nichts ein. Es scheint ihm sogar eher unangenehm gewesen zu sein. Er selbst wollte nicht im Mittelpunkt stehen, sondern auf den Mittelpunkt der Geschichte hinweisen, den versprochenen Messias ankündigen. Dieser sollte das Zentrum von allem bilden!

Es widerspricht unserer heutigen Ideologie, aber Jesus sagte, dass der Kleinste im Königreich Gottes (Matthäus verwendet den Ausdruck „Himmelreich“, meint aber das Königreich Gottes im Himmel wie auf Erden!) größer ist als Johannes – und das, obwohl Johannes der Größte aller Zeiten gewesen sei.

Das verleiht uns, die wir uns für das Königreich Gottes entschieden haben und in ihm leben und für es arbeiten, eine unfassbare Würde.

  • Johannes hat Unzählige zur Umkehr gerufen – doch du bist im Königreich Gottes größer.
  • Johannes hat den Mächtigen den Spiegel vorgehalten und dafür mit seinem Leben bezahlt – doch du bist im Königreich Gottes größer.
  • Johannes hat dem Volk das Gericht Gottes angekündigt – doch du bist im Königreich Gottes größer.
  • Johannes hat tausende getauft – doch du bist im Königreich Gottes größer.
  • Johannes hat sogar Jesus höchstpersönlich getauft – doch du bist im Königreich Gottes größer.

Nicht, weil du mehr leistest oder besser bist als Johannes. Wer könnte schon mehr leisten als dieser Radikale? Sondern weil du in der Zeit nach Ostern und Pfingsten lebst, in der Zeit, in der Gott sich selbst durch den Heiligen Geist in dich ausgegossen hat, weil Er dich zu Seinem Kind berufen und erwählt hat und weil du dich entschieden hast, Teil Seines Königreiches zu sein.

Johannes kündigte das Königreich Gottes an und er wird einen ewigen Lohn bei Gott erhalten. Aber er selbst durfte, als er noch lebte, nicht Teil des Königreiches sein.

Du schon!

Da stellt sich nur die Frage: Willst du das auch? Hast du dich dazu entschieden? Hast du dein Leben wirklich und vollkommen dem König Jesus unterstellt? Darf Er über dein Leben komplett verfügen und regieren?

Wenn ja, dann hast du bereits Größe bei Gott erhalten.

Es besteht ein meilenweiter Unterschied zwischen bekannt sein und groß sein. Viele jener, die wir heute für groß erachten (Schauspieler, Musiker, Sportler…) entpuppen sich beim genaueren Hinsehen als klein.

Der Bruder von Elvis Presley beispielsweise sagte, dass Elvis der einsamste und traurigste Mensch der Welt war. Jeden Abend saß er allein in seinem Hotelzimmer, oft weinend. Dabei war er doch der berühmteste Mann seiner Zeit. Alle Welt hielt ihn für einen Großen – aber in Wahrheit war er ganz klein.

Doch Elvis selbst fand Trost – und zwar in den Psalmen und den Gospelliedern, die er gerne, wenn er allein war, sang. Angeblich wollte er die Psalmen sogar vertonen.

Ich weiß nicht, wie Gott Elvis Presley sah und ob dieser begnadete Musiker sich jemals für das Königreich Gottes und den König Jesus entschieden hat. Ich weiß nicht, ob er in den Augen Gottes groß ist. Aber ich hoffe es für ihn.

In den Augen der Menschen war er jedenfalls ein ganz Großer. Aber es nutzte ihm zu Lebzeiten nichts. Es engte ihn ein, drückte ihn hinab und laugte ihn aus. Am Ende diente er der eigenen Berühmtheit und der Maschinerie, die ihn bis zuletzt für den Profit (den Gott Mammon) ausbluten ließ.

Wir Christen müssen nicht bekannt und berühmt sein, um groß zu sein. Eine treue Beterin zum Beispiel, die für die Gemeinde eintritt, ist in Gottes Augen vermutlich mehr wert, als wir jemals erahnen können. Sie tut ihren Dienst im Hintergrund, sie bekommt keinen Jubel dafür und nur selten Anerkennung – aber sie wird von Gott reich belohnt werden! Ihre Größe wird am Ende für alle offenbar werden. Was sie für das Königreich Gottes geleistet hat, was sie durch ihr Gebet bewegt hat, das werden alle zu sehen bekommen, wenn der Schleier vor unseren Augen endgültig weggezogen wird.

Vor einem sollten wir uns hüten, auch als Christen: Wir dürfen niemals Bekanntheit mit Größe verwechseln.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Josef sagt:

    AMEN Bro, gut getextet

    Liken

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