Ich elender Mensch

Paulus schreibt in Röm 7,24: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?!

Dieses war eines der ersten Bibelzitate, die mir in den Sinn kamen, als ich die Diagnose von den Ärzten erhielt.

Ich elender Mensch. Wer wird mich erlösen? Die Ärzte? Die Medizin? Eine spezielle Therapie? Oder sogar: Der Tod?

Nichts davon hat die Macht zu erlösen.

Die Ärzte erlösen nicht. Sie behandeln.

Die Medizin erlöst nicht. Sie bekämpft.

Therapien erlösen nicht. Sie unterstützen.

Der Tod erlöst nicht. Er ist nur eine Türe, die ins Gericht führt.

Aber wer oder was hat dann Macht zu erlösen?

Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Röm 7,25

Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! (Röm 7,24-25)

Diese zwei Sätze stehen nebeneinander. Sie ergänzen sich. Sie sind Zwillinge, die nicht getrennt werden können. Ich elender Mensch… dank sei Gott!

Niemand kann erlösen außer dem Einen, den wir Erlöser nennen. Niemand kann retten außer dem Einen, dessen Name bedeutet: „JHWH rettet!“ (Jeshua) Niemand hat Macht über Leben und Tod als nur der Eine, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist.

Wie Paulus bin ich noch in diesem Todesleib, bin ich eins mit diesem Todesleib, halte ich mich für einen elenden Menschen – und bin gleichzeitig unendlich dankbar!

Ich bin reich gesegnet. Überreich! Materiell und geistlich. Ich habe in meinem Leben nie hungern müssen. Ich musste nie ums Überleben fürchten. Kein Krieg zwang mich an die Front. Auch jetzt noch weiß ich, dass meine Familie sicher ist, dass sie versorgt ist, dass sie auch ohne mich durchkommen und nicht verhungern würde – in der ganzen Menschheitsgeschichte ist das eine große Ausnahme.

Ich durfte eine Ausbildung machen, Theologie studieren und gehe einer segensreichen Arbeit nach. Welcher Beruf ermöglicht es einem, den ganzen Tag mit Gott zu verbringen, in Seinem Wort zu lesen und über Ihn und die Welt nachzudenken? Welcher Beruf ist für die Welt weniger produktiv und wird dennoch finanziell unterstützt?

Ich habe vier wunderbare Kinder, die einzigartig und unverwechselbar geschaffen sind. Meine Frau ist alles, was ich mir je wünschen konnte in einem Menschen.

Wieso also sollte ich nicht dankbar sein? Weil in mir etwas heranwachsen will, das sich gegen mein Leben stellt? Weil ich den bitteren Kuss des Todes schmecke, wenn ich in den Spiegel blicke und mein ausgezehrtes Gesicht sehe? Weil ich Schmerzen erfahre?

Nein. Das ist kein Grund, nicht mehr dankbar zu sein. Ich bin 42 Jahre alt – in vielen Zeiten der Weltgeschichte hätten sich die Menschen gewünscht, so alt zu werden. Ich habe immer in Frieden und Wohlstand gelebt. Und vor allem: Gott hat sich mir gezeigt und mich berufen, erwählt und auferweckt. „Das Beste ist, dass Gott mit uns ist.“ (John Wesley)

Ich bin bereits mit Christus gekreuzigt.

Ist das nicht Grund genug für Dankbarkeit?

Auf mich wartet ein ewiges Erbe.

Ist das nicht Grund genug zur Dankbarkeit?

Ich werde leben, auch wenn ich sterbe.

Und falls Gott sich an meinem Leib verherrlichen will und ein Wunder wirkt – dann habe ich umso mehr Grund zum Dank und zu einem großen Halleluja.

Gibt es also etwas, das ich Gott vorwerfen dürfte? Hätte ich ein Recht darauf, Ansprüche zu stellen? Dürfte ich Ihm sagen, was richtig ist?

ER steht über allem. ER weiß alles. ER macht keine Fehler!

Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Es ist gewiss: Er wird mich erlösen – auf die eine oder andere Weise! Sein Wille geschehe!

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Josef sagt:

    Lieber Christ-ian,
    Ich sitze heute Morgen früh im Halbdunkeln in der Stube. Der Schlaf hat sich verflüchtigt und es ist noch viel zu früh um dem Tagesgeschäft nachzugehen. Ich habe deinen Text vor mir und lasse ihn auf mich wirken.
    Als ich kürzlich jemandem gegenüber erwähnte, dass du in der Situation gelassen bist, zumindest so habe ich es von dir verstanden, war die Reaktion; „das ist der Schock“. Ich kenne mich damit nicht so gut aus, aber nachdem ich deinen Blog gelesen habe weiss ich, es ist soviel mehr.
    Mein Freund, ich mag dich und möchte dich nicht verlieren, gerne noch manchen Kaffee mit dir trinken und über Gott und die Welt reden. Sehen wie sich dein Leben unter der Liebe des himmlischen Vaters immer weiter entfaltet. Nur Gott weiss wie es weiter gehen soll und er hält sich bis jetzt bedeckt und lässt uns im Ungewissen. Aber ich werde nicht aufhören zu bitten, dass er uns ins Vertrauen zieht und uns durch seinen Heiligen Geist leitet.
    Liebe Grüsse, bis bald
    Josef

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  2. Janet Züllig sagt:

    Christian, what a true and wonderful, uplifting witness you offer of your love for and deep belief in our Lord and Savior Jesus. Thank you. Janet

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  3. Ruedi Stähli sagt:

    Stark!

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