Von Wundern und Zweifeln.

Eine Frage treibt mich die letzten Wochen um. Sie begegnet mir an allen möglichen Orten. Auf den ersten Blick scheint sie so einfach und klar zu sein. Man muss scheinbar nicht über sie nachdenken. Aber bei genauer Betrachtung merke ich, dass mich die Frage quält. Ich kann sie nämlich nicht einfach mit JA beantworten. Aber genauso wenig mit NEIN. Sie verwirrt mich, weil sie plötzlich so nahe ist, so unmittelbar, so grausam.

Die Frage lautet: „Glaubst du an Wunder?“

Wie gesagt, auf den ersten Blick würden viele Christen spontan mit JA antworten. Natürlich glauben wir an Wunder. Wir lesen in der Bibel von ihnen. Wir lesen in christlichen Magazinen und Büchern von ihnen. Die meisten können vermutlich sogar von kleineren oder größeren Wundern in ihrem Leben berichten.

Aber ich tue mir mit der Frage nicht so leicht. Denn gerade in meinem Leiden merke ich, dass die ganze Welt von Wundern erzählt – und damit überhaupt nichts christliches verbindet.

Glaube ich an Wunder?

Nein. Ich glaube nicht an Wunder wie die Esoteriker, die mir etwas weismachen wollen.

Nein. Ich glaube nicht, dass man beim Universum eine Bestellung aufgeben kann und dass das Universum dann die Wünsche eines Menschen erfüllt (wie es zum Beispiel Hape Kerkeling in seinem Buch erzählt).

Nein. Ich glaube nicht, dass man mit Beschwörungsformeln und mit Ritualen Wunder herbeiführen kann.

Nein. Ich glaube nicht, dass man durch positives Denken (auch wenn es sich in ein christliches Gewand hüllt) Wunder zur Entfaltung bringt.

Nein. In dem Sinne, wie die Welt an Wunder glaubt, glaube ich nicht an Wunder.

ABER. Aber ich glaube an Gott! Und Gott kann Wunder tun.

Ich weiß, dass Ihm nichts unmöglich ist. Ich weiß, dass Er über allem steht und an keine Grenzen und Gesetze gebunden ist. Ich weiß, dass Er auch jetzt nur durch ein Wort oder eine Berührung Seiner Heiligkeit alle Krebszellen aus meinem Körper entfernen könnte.

Und doch kommt genau hier ein Problem zum Vorschein.

Wie kann es sein, dass Gott zwar imstande ist, mich per sofort gesund zu machen und dass Er es bis jetzt trotzdem nicht getan hat? Ich bin doch Sein Kind und Er ist mein Vater.

Diese Frage ist die unbeantwortbare Herausforderung des christlichen Glaubens. Bis wir Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, werden wir keine befriedigende Lösung für dieses Problem finden.

Aber im Glauben geht es auch nicht unbedingt um Antworten. Es geht um bedingungsloses Vertrauen. Es geht darum, sich mit Haut und Haar völlig auf Gott einzulassen. Es geht darum, am Unsichtbaren festzuhalten, auch wenn das Sichtbare erdrückend wird.

Gott kann heilen. Aber Er heilt nicht immer.

Wenn wir das Neue Testament lesen, dann sehen wir, dass Jesus alle geheilt hat, die zu Ihm kamen. Keiner ging krank weg! Nicht ein einziger musste nach einer Begegnung mit Jesus blind oder verkrüppelt bleiben.

Aber schon bei Paulus und den Jüngern war das anders. Paulus selbst beschreibt, wie schwach und krank er war, als er die Galater besuchte.

Galater 4, 13-15: Ihr wisst doch, dass ich euch zuvor in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe. Und obwohl meine leibliche Schwäche euch eine Anfechtung war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern mich wie einen Engel Gottes aufgenommen, ja wie Christus Jesus. Wie wart ihr dazumal selig zu preisen! Denn ich bin euer Zeuge: Ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und mir gegeben.

Auch von einem Freund und Wegbegleiter des Paulus, Epaphroditus, erfahren wir, dass er eine Zeit lang schwer krank war.

Phil 2, 25-30: Ich habe es aber für nötig erachtet, Epaphroditus, meinen Bruder und Mitarbeiter und Mitstreiter, aber euren Abgesandten und Diener meines Bedarfs, zu euch zu senden, da ihn ja sehnlich nach euch allen verlangte und er sehr beunruhigt war, weil ihr gehört hattet, dass er krank war.

Denn er war auch krank, dem Tod nahe; aber Gott hat sich über ihn erbarmt, nicht aber über ihn allein, sondern auch über mich, damit ich nicht Traurigkeit auf Traurigkeit hätte. Ich habe ihn nun desto eiliger gesandt, damit ihr, wenn ihr ihn seht, wieder froh werdet und ich weniger betrübt sei.

Nehmt ihn nun auf im Herrn mit aller Freude, und haltet solche in Ehren; denn um des Werkes willen ist er dem Tod nahe gekommen, indem er sein Leben wagte, damit er den Mangel in eurem Dienst für mich ausfüllte.

An Timotheus schreibt Paulus 1.Tim 5,23: Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist.

Und zuletzt hatte Paulus noch einen wichtigen Mitstreiter, den er krank zurücklassen musste. 2.Tim 4,20: Erastus blieb in Korinth, Trophimus aber ließ ich krank in Milet.

Krankheit gehört zum Leben und zum Sterben dazu. Gott kann Wunder tun. Er rettet Menschen aus den unmöglichsten Situationen. Er bezwingt und überwindet Tod und Teufel.

Doch manchmal lässt Er die Krankheit auch zu. Manchmal lässt Er sogar das Sterben, selbst wenn es langsam und qualvoll ist, zu.

Wozu? Mit dieser Frage muss jeder Kranke und Leidende selbst kämpfen.

Glaube ich also an Wunder? Nein.

Glaube ich, dass Gott Wunder tun kann? Natürlich. Er hat es schon oft bewiesen. Er wird es weiterhin beweisen.

Glaube ich, dass Gott meinem ganz persönlichen Leiden durch ein Wunder begegnen wird? Manchmal ja, manchmal nein.

Das ist der Spagat zwischen Glaube und Zweifel.

Nur Eines erbitte ich: Dass Er mir hilft, an Ihm im Glauben festzuhalten, komme, was wolle. Denn das größte Wunder hat Er in meinem Leben bereits vollbracht. Er hat mich aus dem Tod ins Leben geführt, aus der Finsternis ins Licht, aus der Verdammnis in Sein ewiges Königreich. Ich bin eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe neues ist geworden.

Sieh, das Alte ist vergangen,
Neues ist geworden.
Todesnot und Bangen,
Sündenlast und Sorgen!
All dies hat uns Gott vernichtet,
als Er Selbst hat aufgerichtet
Gnade, die mit Ihm versöhnt.
Gottes Sohn, am Kreuz verhöhnt,
hat den Grund gelegt,
und die Welt bewegt.

Sieh, das Alte ist vergangen,
Neues ist geworden.
Was uns hielt gefangen,
konnte Er entsorgen!
Denn von Neuem ist geboren
jeder, der sein Herz verloren,
an den Gott, Der Neues schafft,
durch Sein Wort mit Geistes Kraft,
weil die Liebe wirkt,
die sich noch verbirgt.

Sieh, das Alte ist vergangen,
Neues ist geworden.
Heiliges Verlangen
hält uns nun geborgen.
Gleich den bunten Schmetterlingen,
die sich leicht im Winde schwingen,
sind wir neue Kreatur!
Nicht das Geld und nicht die Uhr
ist’s, was uns bewegt,
sondern Gott, Der trägt.

(Erlösungslied, Monika Mühlhaus, 2006)

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ruedi Stähli sagt:

    Du schreibst ehrlich und echt! MIr geht es genauso.
    Die aktuelle Jahreslosung spricht mir aus dem Herzen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

    Gefällt mir

  2. Karin Koller sagt:

    Ich bewundere deine Ehrlichkeit.Auch ich bin manchmal am zweifeln und hinterfragen. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass wenn ich denke jetzt könntest du aber bald eingreifen, es noch eine kurze Weile geht und dann bewegt er etwas. Oft viel mehr als ich erwartet habe. Bleibe dran, an Wunder zu glauben!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s