Dead man walking

Es ist schon so eine Sache, wenn einem ein Arzt sagt, dass man nur noch wenige Wochen zu leben hat. „Woher weiß er das“, mag man sich fragen. Aber das tut man im ersten Moment nicht. Man fragt sich höchstens: „Was bedeutet das Wort „wenige“?“ 6? 8? 12?

Ein von Ärzten abgeschriebener Patient fühlt sich manchmal wie ein Mensch im Todestrakt eines Gefängnisses. Er sitzt da und wartet, bis das Urteil vollstreckt wird.

In amerikanischen Gefängnissen rufen die Wächter, wenn der Gefangene zur Hinrichtung geführt wird: „Dead man walking“ – „toter Mann unterwegs.“

Im Angesicht des Endes wird der Gefangene schon als tot bezeichnet. Doch er lebt ja noch, wenn auch nicht mehr lange (es sei denn, es käme noch ein Begnadigungsurteil).

Ärzte sollten deshalb vorsichtig sein, ihre Prognosen abzugeben. Kein Arzt kann wissen, wie lange der Patient noch lebt. Nur Gott weiß, wann die Lebensuhr eines Menschen ablaufen wird. Nur wenn Gott mir sagt, wie lange ich noch zu leben habe, dann bin ich mir der Diagnose gewiss.

So erging es übrigens dem König Hiskia. Er war ein guter und gottesfürchtiger Regent, der sich ganz auf den Gott Israels verließ und ein vorbildliches Leben führte. Die Kultstätten der Götzen ließ er entfernen. Sogar im Angesicht der mächtigsten Feinde hielt er an Gott fest. Bevor er eine Entscheidung traf, befragte er den Herrn.

Doch eines Tages kam der Prophet Jesaja zu ihm und richtete ihm aus, dass er sehr bald sterben werde. Traurig und entsetzt begann der König zu weinen und drehte sich zur Wand. Er wollte nicht sterben. Er wollte leben.

Und Gott erhörte sein Gebet. Der Prophet, der schon auf dem Heimweg war, kehrte um und verkündete, dass Hiskia noch 15 Jahre Lebenszeit geschenkt bekommen habe. Daraufhin sprach er diese wunderbaren Worte aus Jesaja 38, 9-20:

Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war: Ich sprach: In der Mitte meines Lebens muss ich dahinfahren, zu des Totenreichs Pforten bin ich befohlen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Nun werde ich nicht mehr sehen den HERRN, ja, den HERRN im Lande der Lebendigen, nicht mehr schauen die Menschen, mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt hab ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden. Tag und Nacht gibst du mich preis; bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und Nacht gibst du mich preis. Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube. Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Was soll ich reden und was ihm sagen? Er hat’s getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele. Herr, davon lebt man, und allein darin liegt meines Lebens Kraft: Das lässt mich genesen und am Leben bleiben. Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!

15 Jahre hat Hiskia geschenkt bekommen. Ich frage mich, wie er diese Zeit verbracht hat. Wie wertvoll muss ihm plötzlich jeder Tag erschienen sein. Jeder Atemzug: ein Wunder.

Eigentlich ist jeder Mensch Hiskia. Wir alle sind todkrank. Über uns allen schwebt das Damokles-Schwert der Endlichkeit.

Was machen wir mit den Tagen, die uns bleiben?

Wie wertvoll ist uns ein neuer Tag?

Wie hoch schätzen wir es, atmen zu dürfen?

Unsere Lebenszeit ist geschenkt. Doch wir halten so vieles für selbstverständlich.

Was wäre, wenn heute ein Prophet Gottes zu dir käme und dir sagen würde, du hättest noch wenige Tage zu leben? Würdest du um eine Fristverlängerung beten wie Hiskia? Wie würdest du deine Tage verbringen?

Und wenn du von einer unheilbaren Krankheit befreit würdest und wüsstest, du hättest jetzt 15 Jahre Lebenszeit erhalten? Wie würdest du diese Zeit angehen?

Was wäre wichtig?

Für Hiskia war klar, was er sein Leben lang tun sollte…

HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!

Übrigens: Ziemlich gleich nach der Rettung Hiskias aus dem Todesschlund hat er vor lauter Freude einen ziemlich dummen Fehler gemacht… aber das kannst du selber nachlesen bei Jesaja.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Ursula Fröhlich sagt:

    ja, wer weiss schon, wann die Gotteszeit gekommen ist, um zu ihm zurückzukehren – mein Gebet war lange Zeit: Herr, ich lebe auf dieser Erde solange bis du rufst, keine Sekunde früher und keine Sekunde später – das gilt immer noch – lg Ursula

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