Dead man following

„Jeder von uns hat sein Kreuz zu tragen“, sagte neulich jemand. „Aber dein Kreuz ist besonders schwer.“

Er spielte damit natürlich auf eine Aussage Jesu über die Nachfolge an. In Lk 9,23 steht: „Da sprach er zu allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“

Aber was hat das zu bedeuten? Und was hat das mit meiner Krankheit zu tun?

Schauen wir kurz, in welchem Zusammenhang Jesu hier redet. Gerade erst ist Sein Cousin Johannes geköpft worden. 5000-10.000 Menschen sind auf übernatürliche verköstigt worden. Die Jünger haben gerade unfassbare Wunder erlebt, die Gott durch sie gewirkt hatte – während Jesus nicht bei ihnen war.

Jetzt ist es an der Zeit, nach Jerusalem zu gehen und sich dort der geballten Macht der Römer und der Religion zu stellen. Die JüngerInnen wissen nicht, was dort geschehen wird. Sie wissen nicht, dass Jesus dort sterben und auferstehen wird – obwohl Er schon versucht hat, es ihnen zu erklären.

Vieles wissen sie nicht.

Aber sie wissen sehr wohl, was ein Kreuz ist!

Und sie wissen ganz genau, wer hinter dem Kreuz steht und für wen das Kreuz bestimmt ist.

Uns heute ist das oft nicht ganz so bewusst. Wir haben den Eindruck, dass das Kreuz einfach nur das Hinrichtungsinstrument für Kriminelle war – so wie heute vielleicht der elektrische Stuhl. Aber das stimmt so nicht. Die Römer hatten viele Möglichkeiten, Kriminelle hinzurichten (zB. köpfen durch das Schwert). Ebenso die Juden (zB. Steinigung).

Das Kreuz selbst war für eine ganz bestimmte Sorte von Menschen reserviert: für Rebellen, Revolutionäre, Staatsfeinde, Aufmüpfige, die sich gegen Rom aufgelehnt hatten. Diese Menschen sollten am Kreuz hängen; als Zeichen und Abschreckung für alle, die sich mit dem Imperium anlegen könnten.

Wenn Jesus also Seinen JüngerInnen sagt, sie sollen ihr Kreuz aufnehmen, dann wussten sie, was Er sagte. Da ging es nicht um irgendetwas körperliches (zB. eine körperliche Schwäche). Es ging um etwas sehr konkretes, etwas politisches, etwas, das ans Eingemachte geht.

Jesus forderte Seine Nachfolger ganz konkret auf, bereit zu sein, mitten ins Gebiet des Feindes zu gehen und dort das Reich Gottes zu verkündigen.

Eines ist dabei klar: Wenn jemand im Zentrum der Macht eines weltlichen Königreiches ein anderes Königreich verkündet (das Königreich Gottes), dann kommt es zwangsläufig zum Zusammenprall. So jemand ist tatsächlich in den Augen der weltlichen Macht ein Rebell, ein Aufrührer, ein Verschwörer, ein Revolutionär, ein Feind des Staates.

Der Mann sagte zu mir, mein Kreuz sei besonders schwer. Doch das stimmt nicht. Ich habe noch nie ein Kreuz getragen. Ich lebe in einem Land, in dem ich meinen Glauben frei ausüben und wo ich jederzeit vom Königreich Gottes sprechen darf. Ich schreibe sogar Blogs darüber und hatte noch keine unangenehmen Konsequenzen zu tragen.

In anderen Ländern dieser Welt ist das ganz anders.

Ich musste mich nie gegen eine Obrigkeit aufstellen und sagen: „Man muss Gott mehr gehorchen als euch.“

Ich werde allerhöchstens für meinen Glauben belächelt – mehr aber nicht.

Viele Christen über die letzten 2000 Jahren erlebten das anders und mussten tatsächlich ihr Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen – und nachfolgen heißt manchmal, bis in den Tod folgen, so wie Jesus bis in den Tod ging.

Meine Erkrankung mit dem Kreuz zu vergleichen ist deshalb unmöglich. Ja, ich trage eine Last – eine Last, die körperlich sehr gut sichtbar ist. Aber ich trage kein Kreuz.

All meine Schmerzen, Sorgen und Nöte sind nichts verglichen mit dem, was Jesus in der Nacht vor Seinem Tod, bei der Folter und der Hinrichtung durchgemacht und ertragen hat.

Nichts, was ein Mensch erleiden kann, kommt dem nahe, was Jesus auf sich genommen hat. Und dafür gehört Ihm allein Dank und Ehre.

Aber eines frage ich mich schon in einer Zeit und in einem Land, wo wir Christen uns so bequem eingerichtet haben und uns mit der Obrigkeit so gut arrangiert haben: Wären wir bereit, das Kreuz aufzunehmen und Jesus nachzufolgen, wenn es für uns wirkliche finanzielle, soziale, politische, materielle oder gesetzliche Konsequenzen hätten?

Würden wir mit Jesus nach Jerusalem ziehen und den Königreichen der Welt das Königreich Gottes predigen?

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