Den das Herz anklagt…

Viele Menschen in meinem Alter blicken auf ihr Leben zurück. Sie fragen sich, wie sie zu dem geworden sind, was sie jetzt sind. Sie ziehen Bilanz über Erfolge und Misserfolge und überlegen, ob sie die nächsten 30 – 40 Jahre ihres Lebens wie bisher weitermachen wollen.

Viele Menschen am Ende ihres Lebens machen dasselbe, nur ohne die Zukunftsperspektive. Sie stellen sich aber auch die Fragen:

Was habe ich aus meinem Leben gemacht?

Was hinterlasse ich?

Habe ich meine Talente genügend eingesetzt?

Habe ich mir Schätze im Himmel angesammelt oder ist meine Schatztruhe bei Gott leer geblieben?

In solchen Momenten neigen viele dazu, sich selbst zu verurteilen. Dies und jenes hätte man besser machen sollen. Man hat zu wenig geliebt, sich zu wenig dem guten Kampf gewidmet. Das eigene Ego hat zu viel Platz eingenommen.

Vielleicht schaut man auf sein Leben und erkennt zu wenig Früchte. Man fühlt sich unwert. Ein Versager!

In Joh 3,19-21 steht: Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen, dass, wenn uns unser Herz anklagt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge. Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott…

Natürlich bleiben wir alle in diesem Leben hinter unseren Möglichkeiten zurück. Keiner erreicht sein volles Potential und die Perfektion der Liebe. Und doch: Gott ist größer als unser Herz, das uns anklagt. Seine Gnade ist stärker als unser Unvermögen. Der Tod am Kreuz ist mächtiger als jede Sünde.

Diese Wahrheit steht über allem. Und doch sind wir oft von Leistungsdenken geprägt. Wir wollen etwas leisten. Wir wollen etwas beitragen. Wir wollen produktiv sein.

Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass wir Jesus lieben und dass wir Ihm nachfolgen. 1.Joh 3,23: Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat.

Selten war mir das bewusster als heute, da ich selbst keine ersichtliche Leistung mehr erbringen kann. Ausgestreckt und kraftlos vor Gott zu liegen und beinahe nichts mehr aus eigener Anstrengung machen zu können, das ist hart. Denn irgendwo wollte ich mich Seiner Liebe doch als würdig erweisen – durch Leistung. Doch jetzt lerne ich mehr und mehr, dass ich mir die Liebe auch nachträglich nicht verdienen kann. Sie ist einfach da. Sie gilt.

Dietrich Bonhoeffer schrieb:

Der Friede Gottes ist ein Friede, der höher ist als alle Vernunft.
… Der Friede Gottes ist die Treue Gottes unserer
Untreue zum Trotz, im Frieden Gottes sind wir geborgen, behütet
und geliebt. Freilich er nimmt uns unsere Sorge, unsere
Verantwortung, unsere Unruhe nicht völlig ab, aber hinter all
dem Treiben und Sorgen ist der göttliche Friedensbogen aufgegangen,
wir wissen unser Leben getragen und in Einheit mit
dem ewigen Leben Gottes, wir wissen, dass der Riss, den wir immer
wieder schmerzlich empfinden müssen, nur ein immer erneuerter
Hinweis darauf ist, dass Gott den Riss geschlossen hat,
dass er uns in sein Leben hineingezogen, so wie wir sind, als
Menschen der Erde, als Menschen mit Herzen und Sinnen, das
heißt in der Sprache der Bibel: mit Leidenschaften und Nöten,
mit dem Eindrücken der Welt befangen. Der Friede Gottes,
welcher höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und
Sinne in Christus Jesus (Philipper 4, 7). Er bändige unsere Leidenschaft,
er nehme in Zucht unsere Gedanken und unseren
Willen und führe uns zu dem Frieden Jesu Christi, der gesprochen
hat, der sich uns gegeben hat in der Nacht von Golgatha,
Meinen Frieden gebe ich, meinen Frieden lasse ich euch, nicht
gebe ich wie die Welt gibt, euer Herz erschrecke nicht und
fürchte sich nicht (Johannes 14, 27).

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