Exit

„An deiner Stelle wäre ich längst zu Exit gegangen“, sagte mir die etwas ältere Dame. „Ich würde nie wollen, dass meine Familie mich pflegen muss oder dass ich zur Last falle. Außerdem möchte ich selbst bestimmen, wann und wie ich abtrete…“

Diese Worte hörte ich vor ca. 5 Wochen, als ich körperlich noch gar nicht so extrem schwach und benachteiligt war.

„Ich verstehe dich“, sagte ich. Und dann schwieg ich…

Exit. Wäre das eine Lösung? Kann es das sein?

Wenn ich kein Mann Gottes wäre, würde ich genauso denken wie oben genannte Dame. Wenn mein Leben auf dieser Welt bedeutungslos wäre, weil es nur aus Materie und Zufall bestünde, dann würde ich auch den leichten Weg wählen. Wenn mein Dasein nicht aufgehoben wäre in der gütigen Hand unseres treuen Gottes, dann wäre mein Leiden völlig sinnlos und dann wäre es gut, das Leiden zu verkürzen.

Aber Gott ist real! Und Gott ist gut. Immer.

Deshalb muss auch dieses Leiden einem größeren Ziel dienen und am Ende gute Frucht hervorbringen. Ein paar Früchte darf ich jetzt schon erkennen – meine Worte in dieser Zeit erreichen mehr Menschen als je zuvor. Alte Freundschaften und Beziehungen wurden neu belebt. Menschen, die sich nach außen hin vom Glauben abgekehrt haben, erzählen mir, dass sie begonnen haben zu beten. Dutzende Menschen stehen im Gebet hinter mir und meiner Familie.

Die Liebe wächst auch in Zeiten äußerster Not. Und vielleicht in ihr gerade am Stärksten.

Exit kommt nicht in Frage – zumindest nicht für mich. Denn erstens kann Gott bis zum letzten Atemzug noch eingreifen. Und zweitens: Selbst wenn Er nicht eingreifen sollte, hat Er in dieser Zeit vielleicht noch den einen oder anderen Auftrag für mich (ein Telefonat, das noch zu führen ist, eine Nachricht, die ich noch überbringen soll, ein Blog, der vielleicht jemanden tröstet oder inspiriert, ein Gebet, das noch gesprochen werden will…).

Jeder Tag kann eine solche Aufgabe mit sich bringen. Und deshalb kann ich nicht einfach kurzen Prozess mit mir machen – selbst wenn es mir die Schmerzen verkürzen würde.

Aber eines möchte ich klarstellen: Ich spreche hier nur für mich. Als ich der Dame sagte, dass ich sie verstehe, da meinte ich es auch so. Ich verstehe, dass man bei meinem Anblick erschrickt und sich sagt: So will ich nicht sterben müssen.

Ich verstehe, dass Menschen mit Exit eine bequeme Variante des selbstbestimmten Ablebens wählen, weil sie an der Last von Krankheit und Qual leiden. Ich verurteile niemanden. Diese Entscheidung beurteilt allein der Kranke – und Gott.

Die einzige Frage, die ich jemandem stellen würde, wenn er mich nach meiner Meinung fragt, wäre: „Kannst du diesen Entschluss mit den zwei Geboten der Gottesliebe und der Nächstenliebe vereinbaren?“

Mit anderen Worten: Dient die Entscheidung Gott und den dir Nahestehenden?

Eine Antwort darauf kann und will ich jedoch niemandem geben. Ich kann sie nur für mich selbst beantworten. Und das habe ich getan.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. gaby.king@vol.at sagt:

    Danke Christian! Ich wünsche dir und deiner Familie Gottes Segen und seinen Trost! 

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  2. Esther sagt:

    Lieber Christian,
    ganz, ganz herzlichen Dank, dass du uns teilhaben lässt an deinem inneren Weg. Das wird mir immer wieder zur Hilfe auf meinem Glaubensweg. Ich staune, wie Gott dir die Kraft schenkt, bis zum letzten Atemzug mit der Hoffnung zu leben, dass Gott dich heilen kann. Aber über allem steht immer „Dein Wille geschehe“ und „Gott ist gut“. Du hast mich reich beschenkt und immer wieder Mut gemacht zum dranbleiben. Gott segne dich, Michaela und deine Kinder und sei euch nahe.

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  3. Ulrike Wender sagt:

    Lieber Christian,

    Herzlichen Dank für deine segensreichen Gedanken im Blog! Ein berufener Prediger wie du, kann wohl nicht anders- er predigt bis zum letzten Atemzug- und das ist gut so🙏💌 Die Segensspuren bleiben! Für deine Michaela und deine Kinder ist es furchtbar mit ansehen zu müssen, wie der starke Mann und Papa immer schwächer wird. Glaube mir, ich habe das selber erlebt2005/6 mit Gerd, meinem Mann, der an einem Hirntumor starb, 6 Monate nach der OP. Ich kann euch sehr gut verstehen und bin im Gebet an eurer Seite! Dem ewigen Liebenden Herrn befohlen Ulrike Wender, Bregenz

    Von meinem iPhone gesendet

    >

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  4. Karin Koller sagt:

    Lieber Christian,
    Liebe Michaela,
    Meine Gedanken sind oft bei euch.Jedes Mal wenn ich bei euch vorbeifahre, denke ich: zum Glück seid ihr mit Gott unterwegs und gleichzeitig hoffe ich, dass er euch Kraft und Trost spendet.Ich hoffe, wie ihr auch auf ein Wunder.Aber sein Wille geschehe ,ist auch mein Begleitwort.
    Manches können wir vermutlich erst viel später begreiffen. Aber unser Ankommen, welches uns im Himmel erwartet, wird unbeschreiblich schön sein.Das tröstet mich ein wenig.
    Hebet eu Sorg.
    Ganz liebe Grüsse an die ganze Familie
    Karin

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