Die Auferstehung

Bevor es mit mir körperlich rasant abwärts ging, habe ich noch drei Predigten fertiggestellt, die ich der Gemeinde weitergeben wollte. Die erste dieser Predigten befasste sich mit dem Thema „Auferstehung“. Sie war als Abschluss meiner Predigtreihe über den Plan Gottes gedacht. Leider konnte ich sie nicht mehr halten. Aber da die Auferstehung genau das ist, was mich in dieser Zeit hoffen und atmen lässt, möchte ich die Predigt mit euch teilen…. Ich hoffe, sie spendet euch Trost und Gewissheit.

Gott ist gut! Immer! Und Sein Plan wird vollendet – ganz sicher.

„Jesus lebt!“

Dieser Satz stand als Graffiti an einem Brückenpfeiler meines Heimatortes. Ich fuhr als Jugendlicher und als junger Erwachsener oft an diesem Schriftzug vorbei. „Jesus lebt!“

Jedes Mal, wenn ich diese zwei Worte las, zuckte ich innerlich nur mit den Schultern und dachte mir: „Na, und?“

Ich hatte ja keine Ahnung, was die Bedeutung der Auferstehung Jesu war. Für mich interpretierte ich das so, wie es auch heute noch viele Menschen tun. Und zwar in etwa so: Jesus ist gestorben. Die Jünger trauerten um Ihn. Doch irgendwann bekamen sie eine Gewissheit in ihren Herzen, dass Er doch noch irgendwie und irgendwo lebt. Vielleicht ist Er in so eine Art Gottheit eingegangen, wie ein Tropfen Wasser ins Meer fließt. Vielleicht lebt Er auch einfach in den Gedanken und Erinnerungen Seiner Nachfolger weiter. Vielleicht lebt Er auch einfach dadurch, dass Sein Name nicht vergessen gegangen ist.

So stellte ich mir das vor. Dass Er tatsächlich, faktisch, körperlich, geschichtlich, real auferstanden sein könnte, dass Er tatsächlich mit einem neuen, veränderten Körper ausgestatten sein könnte, dass Er tatsächlich erkennbar, spürbar und erlebbar den Menschen Seiner Zeit begegnet sein könnte – das alles hielt ich für unmöglich. Es war schlicht und einfach nicht denkbar! Noch nie ist jemand von den Toten zurückgekehrt. Noch nie hat in Toter mit seinen Freunden einen Fisch gegessen und ist dann durch eine Wand wegspaziert. Wieso hätte Er eine Ausnahme bilden sollen?

Wenn ich heute auf die Auferstehung blicke, dann sehe ich das völlig anders. Ohne sie ist der christliche Glaube hohl und inhaltslos.

Wenn Jesus nur ein Moralist gewesen wäre, der uns die großartigste Predigt aller Zeiten gehalten hat (die Bergpredigt) – dann würde ich mich nicht für Ihn interessieren.

Wenn Jesus nur ein Sozialrevolutionär gewesen wäre, der mit Seinem Ideal der Liebe die Menschen fasziniert hat, aber am Ende leider gescheitert ist – dann gäbe ich keinen Pfifferling auf Ihn.

Wenn Jesus nur ein Verrückter gewesen wäre, der sich in Seinem Wahn für den Sohn Gottes gehalten hat – dann würde ich mich angewidert abwenden.

Aber dadurch, dass Er tatsächlich auferstanden ist, dadurch, dass Er zuerst Seinen Jüngerinnen und dann Seinen Jüngern erschienen ist, und dadurch, dass Er bis heute in und durch Seine Leute aktiv ist, wurde Er als Messias und König der Juden von Gott persönlich bestätigt.

Die Auferstehung Jesu verändert alles! Das Neue ist da und bleibt da! Es ist nicht umkehrbar.

Die Auferstehung bedeutet, dass Jesus der Erste in einer neuen Welt ist, der Erste der neuen Schöpfung, die mit Ihm beginnt.

Er ist der Prototyp dieser neuen Schöpfung. Viele andere werden bei der Auferstehung zum Gericht, am Ende der Zeit, wie wir sie kennen, diesem Prototyp gleichgestaltet.

Jesus auferstand mit einem völlig neuen Leib, der nicht mehr der Vergänglichkeit unterworfen ist.

Gott schuf am Anfang Himmel und Erde. Diese beiden gehören zusammen. In unserem Weltbild sind Himmel und Erde oft weit voneinander entfernt. Doch das biblische Weltbild zeigt uns, dass Himmel und Erde immer schon gemeinsam gedacht wurden. Sie überlappen sich, sind miteinander verwoben. Sie beeinflussen sich gegenseitig, „wie im Himmel so auf Erden“.

Der Garten Eden war ein Ort, wo Himmel und Erde füreinander transparent waren. Doch der Fall des Menschen riss eine tiefe Kluft zwischen beide (nennen wir sie mal: ) Dimensionen.

Später war es das Zelt der Begegnung (Lutherdeutsch: Stiftszelt), wo Himmel und Erde sich trafen. Dann der Tempel und schließlich Jesus selbst. In Ihm vereinten sich Himmel und Erde.

Als Er auferstand, war dies der Anfang des völlig Neuen: Der Himmel und die Erde wurden so ineinander verzahnt, dass sie nicht mehr voneinander getrennt werden können.

Das ist die Bedeutung der Auferstehung. Von nun an regiert Gott durch Jesus als König über den Himmel und die Erde.

Das Ziel dieses Regierens ist es, dass Himmel und Erde wieder so zusammenkommen, wie sie eigentlich gedacht waren – als Einheit.

Paulus sagt deshalb in Eph 1,9-10:

Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn.

Gottes Plan war nicht, wie wir in christlichem Kinderglauben oft dachten, dass Jesus die Menschen in den Himmel holen will. Nein. Er will Himmel und Erde wieder zusammenbringen.

Unsere Auferstehung wird in dieser Welt passieren, wenngleich in einer verwandelten, erneuerten und wiederhergestellten.

Johannes beschreibt dieses Ereignis in der Offenbarung:

Offb 21,1-7:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Was Johannes hier mit „vergangen“ meint, ist übrigens nicht, dass die Welt einfach ausgelöscht wird, sondern dass sie eben ganz neu gemacht wird und dass das Alte, also das, was schlecht war, weggewischt wird.

Das also war von Anfang an der Plan: Himmel und Erde sollen in einer vollkommenen Einheit zusammenkommen und die Menschen sollen mit Gott gemeinsam in dieser neuen Welt wohnen. Aber sie sollen nicht nur mit Gott wohnen. Sie sollen auch ihren Herrschaftsauftrag erfüllen, den sie von Anfang an hatten.

Offb 22,1-5:

Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichts einer Lampe und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird über ihnen leuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gott hat Seine Welt nie aufgegeben! Und Er wird bis zum Ende nicht aufgeben! Er wird alles vollenden, was Er begonnen hat.

Das ist die Bedeutung der Auferstehung. Jesus war der Erste, der Beginn der neuen Schöpfung und der Prototyp für die neue Schöpfung. Alle, die an Ihn glauben und Ihn als König bekennen, haben heute schon Anteil daran und sind ein Teil davon. Er lebt in uns und wir leben in Ihm!

Wir sind ein vitaler Part in Gottes Plan, dieser neuen Schöpfung zum Durchbruch zu verhelfen. Paulus schreibt dazu in Röm 8,18-22:

Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.

Gott hat von Anfang an durch Menschen regiert. Nicht, weil Er uns bräuchte, sondern weil Er uns diese Ehre zuteilwerden lassen wollte. Er ist ein Gott der Beziehung und der Liebe.

Er hat niemals damit aufgehört. Heute regiert Jesus als König der Welt. Und zwar durch Seine Nachfolger, Seinen Leib, Seine ekklesia, Seine Gemeinde (aber auch auf wundersame andere Weise). Wie Gott Vater durch Jesus gewirkt hat, wirkt Er durch uns.

Dieser Umstand wird in Offenbarung 5,9-10 von den Ältesten vor dem Thron Gottes und vor dem Lamm besungen:

Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.

Unsere Aufgabe, meine Lieben, ist es, der Welt von Gottes großem Plan zu erzählen und der Welt zu sagen: „Jesus ist König!“ Der Satz „Jesus lebt!“ ist nicht genug. Das Evangelium, wie ich euch schon einmal schrieb, ist die Ankündigung eines neuen Königs, von König Jesus eben.

Diesen Umstand feiern wir übrigens jedes Jahr an „Christi Himmelfahrt“, obwohl das kaum jemandem bewusst ist. Christus wurde in die himmlische Sphäre geholt, von wo aus Er jetzt regiert. Er sitzt auf dem Thron! Ihm ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.

1.Petrus 3,22 (Schlachterübersetzung): Dieser [Jesus] ist seit seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes; und Engel und Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Esther Rieser sagt:

    Lieber Christian,
    Gott hat dir hier eine ganz gewaltige Schau geschenkt. Eine Schau, die die menschlichen Dimensionen sprengt – die Zusammenhänge aufzeigt, die ich bis jetzt nur ansatzweise in meinem Herzen trug. Vielen Dank, dass du sie mit uns teilst – du beschenkst uns damit reichlich.
    Gott möge dich, Michaela, Noah, Medea, Sara und Noemi in seine Liebe einhüllen.
    DU IN IHM und ER IN DIR- das trägt.
    Gott segne dich.

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  2. Ursula Fröhlich sagt:

    Lieber Christian, gerade so wie du bist, so wie du dich fühlst, denkst und dich bewegst (so wie es dir noch möglich ist), in Zeiten der Schmerzen und Nöte, ebenso wie in Zeiten der Liebe zu den Deinen, bitte ich für Gottes Schalom über dir/euch. Er möge sich immer wieder neu ausbreiten in dir, in jedem deiner Atemzüge. „Herr, du bist auferstanden, du bist der König der Könige, Herr aller Herren. Jetzt und immer. In der Schweiz sowie in Österreich.“ Gott zeige euch den weiteren Weg. Wir „gehen“ mit euch im Gebet. Herzliche JESUSgrüsse s Fröhlichs

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  3. Esther Rieser sagt:

    Lieber Christian,
    Gott hat dir hier eine ganz gewaltige Schau geschenkt von Zusammenhängen, die weit über unser menschliches Verstehen hinausgehen. Zusammenhänge, die ich schon länger ansatzweise im Herzen trage, die jetzt an Klarheit gewonnen haben. Danke, dass du noch jetzt uns lehrst, ermutigst. Du beschenkst uns reichlich.
    Dich, Michaela und die Kinder möge Gott in seine Liebe einhüllen.
    DU IN IHM – ER IN DIR – das trägt, in allen Momenten
    Gott segne euch, begleite euch.
    Esther und Ernst

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